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Entwicklung des Leitbildes

Schulentwicklung und Leitbildprozess an unserem Berufsbildungszentrum für soziale Berufe des Mädchenwerks Zwiesel e.V.

Erste Rufe nach dem Leitbild

Alle sprechen vom Leitbild – wir auch – weil es gerade trendy ist? Oder bewegen uns andere Motive? Aber was ist das überhaupt, ein Leitbild? – Jeder im Haus wußte fast eine andere Erklärung dafür. Einige hatten schon Vorerfahrungen mit Leitbildarbeit. Sie warnten vor dem Aufwand, den dabei oft aufbrechenden Konflikten und der Möglichkeit, dass viel Zeit und Kraft investiert wird für ein Papier, das dann oft nur ordentlich abgeheftet wird und in Vergessenheit gerät. Es wurde eingewandt, dass wir doch schon ein Leitbild aus Gründerzeiten hätten. Warum also was Neues? Warum Arbeit und Geld investieren? Wer sollte denn an so einem Leitbild mitwirken? Wofür sollte es Gültigkeit haben? Wir sind eine sehr komplexe Einrichtung: drei Schulen, ein Internat, Verwaltung, Küche, Hauswirtschaft – Schüler, Mitarbeiter, Eltern, Praxisstellen, ......

Mancher stellte sich die Frage: „Kann ich das überhaupt, ein Leitbild erstellen?“ Die Frage nach dem Leitbild tauchte immer wieder auf: im Zusammenhang mit der Öffentlichkeitsarbeit, der Homepage, der Frage, was unsere Schule von anderen Schulen unterscheidet, ...... Die „neuen“ Mitarbeiter hinterfragten die bestehenden Strukturen und die Qualität der Arbeit. Eigentlich eine Frage nach dem Leitbild und ob man sich damit identifizieren kann. Bei mir, einer „Alten“, entstand dadurch der Wunsch zu erklären, welches Bild mich bei meinem Tun leitet? Wie ist dieses Leitbild entstanden und wodurch hat es sich in den letzten Jahren verändert? Nur: haben wir alle im BBZ (Berufsbildungszentrum) das gleiche Leitbild? Wann haben wir uns zuletzt darüber ausgetauscht?

Oder sollten wir nicht lieber mit Schulentwicklung beginnen?

Was versteht man darunter? – Auch dazu gab es in unseren Reihen verschiedene Erklärungen. Die Frage wurde laut, ob es uns nicht mehr bringen würde, verstärkt konkrete Alltagsprobleme anzugehen – Mängel im Informationsaustausch, Verbesserung der Zusammenarbeit von Schule und Internat, Dienststellenbeschreibungen aktualisieren, ..... Die Fragen wurden mehr. – Der Entschluss, in die Leitbildarbeit einzusteigen, festigte sich. – Hilfe war nötig.

Wir beschlossen uns fachliche Unterstützung von außen zu holen und fanden Herrn Helmut Höfl, Dipl.-Theologe, Pastoralreferent, Gemeinde- und Organisationsberater, Coach, Supervisor, Führungstrainer, ... . „Ein guter Fund!“

Er hat Fachwissen, Methodenkenntnis und Vorerfahrungen aus der Arbeit mit anderen Schulen. Er hilft uns beim Strukturieren unserer Vorgehensweise. Mit ihm zusammen verteilen wir die Aufgaben auf Arbeitsgruppen und setzten uns verbindliche Termine, so dass trotz des turbulenten Schulalltages etwas vorangeht – langsam aber stetig. Mit diesem Schuljahr sind wir nun in den Leitbild- und Schulentwicklungsprozess eingestiegen.

Was haben wir bereits getan?

Wir haben viele Daten gesammelt anhand von Fragebogen bei allen Schülern, im Internat und bei allen Praxisstellen. Besten Dank allen, die bei der Fragebogenaktion mitgemacht haben. Studierende der FAKS haben zusammen mit Fr. Feitz diese Daten ausgewertet. Weitere Daten wurden von Herrn Höfl erhoben und gesichtet bei einem Konsensgespräch am 27. 01. 2005 in Form von Partnerinterviews der anwesenden Mitarbeiter. Alle Mitarbeiter hatten die Möglichkeit ihre Visionen für das BBZ zu formulieren. Mit Fr. Dr. Hieke, Herrn Heindl, Herrn Forster und fünf weiteren Mitarbeitern aus den verschiedenen Arbeitsbereichen des BBZ führte Herr Höfl narrative Interviews.

Die Auswertung der Daten bringt einen klareren Blick auf den Ist-Zustand unserer Einrichtungen.

  • Einsicht in unsere Stärken und unsere Schwächen und Mängel
  •  Verbesserungsvorschläge
  • Kenntnis der verschiedenen Sichtweisen....

Vor allem sind die gesammelten Daten Grundlage für weitere Arbeitsgruppen. Am 15./16. April 2005 fuhren 16 MitarbeiterInnen unseres BBZ zu einem, ins Haus der Begegnung, nach Burghausen. Unter Leitung von Herrn Höfl, fand dort ein für die weitere Leitbild Arbeit sehr wichtiger Arbeitstreff statt.

Zwei spannende Tage.

Spannend bereits in der Vorbereitungsphase. Würden sich genügend Teilnehmer melden? Noch immer wurden Bedenken angemeldet, ob Leitbildarbeit Sinn mache. Würden sich auch von den vielen teilzeitbeschäftigten Mitarbeitern welche für die Idee begeistern können? Wer würde seine Freizeit opfern? ..... 16 MitarbeiterInnen haben sich letztendlich beteiligt. Das ist o.k.- Ein guter Prozentsatz im Hinblick auf die Gesamtmitarbeiterzahl von 55, ein sehr guter im Hinblick auf die Zahl der hauptberuflich Beschäftigten. Mit Spannung erwartete man auch die Ergebnisse der Datenauswertung und ob nun endlich konkrete Arbeitsschritte absehbar wären.

Spannend war auch, ob die Meinungen im Laufe der Tagung eher auseinanderdriften würden, so dass es zu Konflikten kommen könnte oder ob die Gruppe konstruktiv sein würde! Es wurde ein sehr intensives Arbeitstreffen. Gutes Wetter und schönes Ambiente, ein bestens vorbereiteter Gruppenleiter und sehr motivierte Gruppenteilnehmer trugen dazu bei, dass es auch ein erfolgreiches Arbeitstreffen wurde. Wir fuhren mit einem guten Gefühl nach Zwiesel zurück. Die Burghausentage wurden zwei Wochen später in Zwiesel nachbereitet, erste konkrete Arbeitsaufträge wurden festgemacht, wie z.B.:

  • Informationen an alle Mitarbeiter weitergeben.
  • Leitbildsätze aus den gesammelten Interviewdaten formulieren.
  • Alle Mitarbeiter bezüglich der Geschäftsordnung des BBZ auf einen gleichen Stand bringen.
  • Postfächer erweitern und übersichtlich beschriften.
  • Die „Religioarbeitsgruppe“ soll unsere Verteilung und Vermittlung der religiösen Inhalte im Schuljahr reflektieren.
  • Die Arbeitsgruppe „Hausmeister“ sammelt Schwachpunkte zur Thematik im BBZ und sucht Lösungsvorschläge.
  • Bei der Planung des Schuljahres 05/06 soll eine weitere Arbeitsgruppe auf die ausgewogene Verteilung von ruhigen und aktionsreichen Zeiten pro Klasse achten.

Man sieht, es gibt Arbeitsaufträge um das mehr theoretische Leitbild und Arbeitsaufträge um die eher praktische Schulentwicklung voranzutreiben.

Und wir wollen uns nicht überfordern. Neben dem recht turbulenten Schulalltag dürfen die zusätzlichen Aufgaben nicht zu umfangreich sein. – Kleine Schritte führen auch zum Ziel. Bei zu großen fällt man leicht auf die Nase.

Im September 2005 setzen wir uns wieder zusammen und reflektieren mit Herrn Höfl die zurückliegende Arbeit, planen unser weiteres Vorgehen in Sachen Leitbild und Schulentwicklungsprozess. – Wir halten Sie weiter am Laufenden und wünschen allen, die auch gerade mit Konzeptarbeit befasst sind, viel Kraft und Erfolg.

A. Muhr