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Girls'- und Boys'Day 2019 im Landkreis Regen
Rund 100 Mädchen und Jungs erproben den Rollentausch für einen Tag

Girls Boys Day AndreaFeitz Rhr Unnasch Kandler


Es gibt sie noch immer: Berufe mit geringem Frauen- oder Männer-anteil. Ein Zeichen gegen den Einfluss von Geschlechterstereotypen auf die Studien- und Berufswahl haben am Donnerstag rund 130.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des bundesweiten Girls'- und Boys'Days gesetzt.
Zu den 17.500 Unternehmen und Institutionen, welche die jungen Leute mit Probetagen, Fachvorträgen, Betriebsführungen und Schnupperkursen in ihre Hallen lockten, zählen auch 22 engagierte Ausbilder mit 247 Angeboten aus dem Landkreis Regen. Unterstützt wurde der internationale Aktionstag bereits zum neunten Mal in Folge von der Kreisentwicklungsgesellschaft ARBERLAND REGio GmbH. Gemeinsam mit ihrem Geschäftsführer Herbert Unnasch und Projektkoordinatorin Marlene Kandler stattete Regens Landrätin Rita Röhrl den Jugendlichen einen Besuch beim „Praktikum für einen Tag“ ab.
Ihre erste Station führte die Landkreis-Delegation zu dem Viechtacher Verpackungsmittelhersteller „Linhardt GmbH und Co. KG“. Als internationaler Marktführer für Tuben, Dosen und Röhrchen aus Aluminium oder Kunststoff für die Pharmaindustrie, Kosmetikhersteller und den Non-Food-Bereich erklärten die Ausbildungsverantwortlichen Gerhard Aichinger und Ernst Hausberger nicht ohne Stolz: „Niemand von uns kommt durch den Tag, ohne mindestens ein Linhardt-Produkt in Händen gehalten zu haben!“ Bevor es an die Fertigung des eigenen Werkstücks ging, wünschte Röhrl den Mädchen eine spannende Zeit: „Probiert euch aus und geht ohne Vorbehalte an diesen Tag heran! Niemand weiß besser, was euch liegt und was euch beruflich erfüllen könnte, als ihr selbst.“
Bereits früh morgens hatten sich die Caro, Vanessa und Basti bei der „Fidel Schub GmbH & Co. KG“ eingefunden. Gegründet 1809 als Eisenwarenladen vertreibt das Viechtacher Unternehmen heute eine breite Produktpalette an Werkzeug, Maschinen und Schweißtechnik für Handwerker im Bayerischen Wald. Für den Boys'Day vorgesehen waren die Bereiche Büro und Buchhaltung, die Mädchen krempelten sich im Lager und im Verkauf die Ärmel hoch. „Was uns gegenüber der Konkurrenz vor allem auszeichnet“, erklärte Geschäftsführer Albert Schub, „ist die spezifische, problem- und lösungsorientierte Kundenberatung. Ich wüsste nicht, weshalb man hier zwischen männlichen und weiblichen Auszubildenden einen Unterschied machen sollte.“
Als mittelständisches Unternehmen mit 60 Mitarbeitern zählt „Dietz Systeme GmbH“ zu den führenden Anbietern von anspruchsvollen Werkzeugsystemen. Mit der Erfindung des AirBlow-Systems 1982 und dem darauffolgenden Fertigungsstart von Trumpf-Werkzeugen bauten die Waidler ihre Kernkompetenz im Standard- und Sonderwerkzeugbau bis zum heutigen Tag kontinuierlich aus. Am Firmensitz Viechtach lernten die Mädchen zunächst das Unternehmen, seine Geschichte und Produkte kennen, bevor sie genauere Informationen zu den Ausbildungsberufen Industrie- und Zerspanungsmechanikerin bekamen.
Technologietransfer in die Region - zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und für ein neues Technologieimage. Diese Idee der Technischen Hochschule Deggendorf wurde von Kritikern noch vor zehn Jahren belächelt. Heute ist Teisnach mit seinem Technologiecampus zur bayerischen Vorzeigekommune avanciert. Sechs Gymnasiastinnen und Realschülerinnen durften beim Girls’Day einen „Tag als Feinoptikerin“ erleben. Quasi ein Heimspiel in ihrer ehemaligen Gemeinde, schaute Rita Röhrl den Mädchen beim Schleifen und Polieren von optischen Bauteilen und dem anschließenden Messen von Form, Rauheit und Sauberkeit über die Schulter.
„Smurfit Kappa“ ist einer der international führenden Anbieter von papierbasierten Verpackungslösungen mit Niederlassungen in 33 Ländern der Welt. Neben den Berufsbildern Fachkraft für Lagerlogistik und Industriemechanikerin gewährten Frank Meretich und sein Team den Mädchen am Standort Zwiesel vertiefte Einblicke in die Arbeit einer Packmitteltechnologin - von der Planung einer neuen Verpackung bis zu deren Herstellung. Komplett in Schutzmontur begleitete auch Rita Röhrl die Produktion.
Weiter ging es mit den Besuchen der Boys’Day-Teilnehmer. Zwei von ihnen hatten ihre Berufsintegrationsklasse der Berufsschule Regen an diesem Tag mit dem „Berufsbildungszentrum für soziale Berufe des Mädchenwerks Zwiesel e.V.“ in Zwiesel vertauscht. Ob staatlich geprüf-ter Kinderpfleger, staatlich anerkannter Erzieher, staatlich geprüfter Pflegefachhelfer in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kranken-pfleger im Rahmen des Schulversuches „Generalistische Pflegeausbil-dung mit beruflichen Schwerpunkt in Bayern” - von Schulleiterin Andrea Feitz und ihren Schützlingen erfuhren sie alles, was sie über die ver-schiedenen sozialen Ausbildungszweige wissen mussten.

Im Heilpädagogischen Zentrum des „Lebenshilfe Regen e.V.s“ lernten die Aktionstags-Teilnehmer den Arbeitsalltag eines Erziehers mit För-derschwerpunkt geistige Entwicklung kennen. Seit Dezember 2001 be-steht auch die Wohnanlage in Zwiesel, wo im Rahmen des Praxisteils einige Stunden mit den schwer bzw. mehrfach behinderten Bewohnern verbracht wurden. Hier leben in drei Wohngemeinschaften jeweils acht Menschen zusammen. Gelegenheit zum Austausch gab es mit den ak-tuellen Praktikanten und Auszubildenden.

Abschließend war Rita Röhrl zu Gast bei „Dr. Loew Soziale Dienstleis-tungen“ im Haus Rabenstein bzw. in Zwiesel. Dort finden wochentags die hausinternen Tagesstrukturierende Maßnahmen (TSM) statt.
Wie Einrichtungsleiterin Isolde Göstl und Fachdienstleiter Günther Wimmer den beiden engagierten Boys’Day-Praktikanten erläuterten, erwarten die Bewohner hier Betätigungsmöglichkeiten in den Bereichen Hauswirtschaft, Holzbearbeitung, und Gartenarbeit sowie Industrieauf-träge. Zudem werden Integrationsprojekte, Verkehrssicherheitstraining und Erwachsenenbildung angeboten. „Ziel dabei ist“, so Göstl, „eine möglichst selbständige Lebensführung der Beschäftigten zu fördern, womit auch die Erschließung der zweiten Lebenswelt ermöglicht wird.“

Zu den weiteren Unternehmen, die diesen Tag im ARBERLAND möglich gemacht haben, zählen die „ARBERLANDKlinik Zwiesel“, die „birken-stahl GmbH“, die Bundeswehr, der „BRK Kreisverband Regen“, „Dr. Loew Soziale Dienstleistungen“ in Kollnburg und Viechtach, der Droge-riemarkt „DM“ in Regen, die „Glasfachschule Zwiesel“, „Holzbau Dengler“ in Rinchnach, die „Qioptiq Photonics GmbH & Co. KG“, die „REHAU AG + Co“, die „Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG“, die „Weikl GmbH & Co. KG“ und die „Zwiesel Kristallglas AG“.

Aus dem Bayerwald-Boten vom 3.4.2019, Bericht der Arberland-Regio